Halde Haniel - Meine Odyssee

Das Haldenkind hatte Urlaub und es freute sich endlich mal wieder Zeit zu finden kleinere Ausflüge in seinem geliebten Ruhrpott zu unternehmen, selbstverständlich mit seiner Kamera. So kam es auch auf die Idee, der Halde Haniel einen Besuch abzustatten. Das Licht sollte stimmen, also bin ich erst gegen späten Nachmittag aufgebrochen, hatte mir doch die „tolle“ VRR-App eine gute Verbindung rausgeschmissen, welche mich auch zu späterer Stunde wieder nach Bochum zurückbringen könnte. (Und nur vorab: Es könnte eine tolle App sein, ist sie aber nicht.) In meiner Naivität hatte ich angenommen, die Halde Haniel wäre ein wichtiger Punkt und die App würde mir eine richtige Verbindung auswerfen, hatte ja auch alles schön geklappt, als ich zur Extraschicht zum Tetraeder in Bottrop gefahren bin, aber scheinbar ist Bottrop nicht gleich Bottrop. Hätte die App doch mal nicht nur „Haniel“ sondern auch den Zusatz „Halde“ ausgewertet, wäre vielleicht ein Schuh draus geworden.

Nun muss ich auch zugeben, meine Recherche war auch ein wenig nachlässig. So führte mich mein Weg von Bochum nach Wanne-Eickel und von dort nach Essen. Da ich ja zwischen den Verbindungen eine Wartezeit hatte und im Zeitalter von schnellen mobilen Leitungen, googelte ich ein paar Informationen zur Halde und so kamen mir bereits kleinere Zweifel auf, ob die Verbindung die ich hatte die Richtige wäre. Der Bus nach Bottrop kam und ich stieg ein und fragte vorsichtshalber noch einmal den Busfahrer, welcher mich jedoch wieder an die App verwies. Da der Bus jedoch über Bottrop Hbf fuhr, hatte ich ja die halbe Miete.

Endlich war mir auch klar wo der Fehler lag. Ich war unterwegs zur Zeche Prosper-Haniel und nicht zur Zeche Franz Haniel, welche am Fuße der Halde liegt und die beiden lagen ein ganzes Stück auseinander. Also disponierte ich schnell um, nur dass ich jetzt vor meinem nächsten Problem stand, irgendwie fuhr ab 20 Uhr von dort nur noch ein TaxiBus, welcher mindestens eine halbe Stunde vor Fahrzeit angerufen werden musste. Dass es solche Anrufsammeltaxis gab, war mir bekannt, aber deren Zuverlässigkeit nicht wirklich. Am Hauptbahnhof angekommen, stieg ich aus, und beriet mich erst mal mit meinem Mann. Als der Bus Richtung Halde Haniel kam, musste wieder der Fahrer daran glauben, aber hier traf ich dann auch einen gut gelaunten und hilfsbereiten Menschen, der um die nötigen Informationen zu erhalten, sogar seine Fahrgäste mit einbezog. Das mit dem TaxiBus sollte auch klappen, meinte er, ich solle jedoch eine Stunde vorher anrufen. Wir wagten also das Abenteuer Halde Haniel und stiegen ein. Und ja, wir kamen an.

Von der Haltestelle „Abzweig Haniel“ brauchen wir eine gute Stunde bis zum Gipfel, mussten wir doch schließlich 159 Höhenmeter überwinden. Das bringt einen schon etwas aus der Puste, war es doch recht warm an dem Tag und dazu auch noch ziemlich schwül. Uns war schon nach der Hälfte der Strecke klar, dass ein Liter Wasser zu wenig war. Aber dafür wurden wir mit einem grandiosen Blick über das Ruhrgebiet belohnt, ob es der Gasometer in Oberhausen war, das Kraftwerk in Dattel oder Gelsenkirchen und seine Arena. Der Blick reicht weit bis ins westliche Münsterland und zeigte mir ein Panorama über die Haard in ihrer Größe.

Der Weg Richtung der Totems ließ annehmen, man würde auf den Krater eines Vulkans zulaufen und fast erwartete ich, statt der Arena in der Kratermitte brodelnde Lava vorzufinden. Als wir auf der Spitze ankamen, waren wir die einzigen Menschen dort oben waren und konnten somit die Einsamkeit in vollen Zügen genießen. Die Totems bestehen aus bunt bemalten Einbahnschwellen und wurden erstmalig zur RuhrTriennale 2002, jedoch in anderer Zusammenstellung präsentiert. Nach 2007 entstand der bekannte lange Bogen der Landmarke.

Je später der Abend, desto voller wurde es. Ob es nun Radsportler, Fotografen oder Spaziergänger waren, den Sonnenuntergang genoss hier jeder. Leider genoss ich ihn nicht bis zum Schluss, wir machten uns an den Abstieg, so konnten wir den letzten regulären Bus noch erwischen, welcher an unserer gewählten Haltestelle um kurz nach 21 Uhr kam. Außerdem brauchte ich Wasser!!!! Also lief ich den Kreuzweg zurück, welcher im Rahmen des Papstbesuches im Mai 1987 angelegt wurde. Schon beim Aufstieg habe ich mir gedacht, dass dieser Weg den Namen Kreuzweg alle Ehre machte. Mein Kreuz war Durst.

Und so war ich froh, endlich am Bottroper ZOB anzukommen, denn dort gab es Imbisse, wo ich endlich was zu trinken bekam. Jippi, noch mal dem Tod von der Schüppe gesprungen. Und von dort konnte es dann weitergehen, haben wir doch noch die einfachste und zeitkürzeste Verbindung gefunden. Zuerst mit dem Bus nach Oberhausen zum Bahnhof, von dort mit dem Regionalexpress (alternativ wäre auch eine S-Bahn gefahren, hätte dann jedoch noch mehr Zeit gekostet) nach Wanne-Eickel, über Gelsenkirchen – wo mich dieses mal, Gott sei Dank, keine Helene Fischer-Fans erwartet hatten – und dann in die Tram nach Bochum. Nach ca. 2,5 Stunden war ich dann wieder zu Hause. Ziemlich erledigt und um eine Weisheit reicher: Bottrop liegt am Arsch der Welt. Aber es lohnt sich schon des Ausblickes wegen, die Halde Haniel mal zu besuchen. Ich werde diese kleine Reise noch einmal machen, ganz bestimmt. Früher am Tag mit genügend Proviant in den Taschen.

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